Vorträge

 

Druckbares Veranstaltungsprogramm in Kürze

Änderungen vorbehalten! 

 

Dr. Reinald Eichholz
Jurist und ehemaliger Kinderbeauftragter in NRW 

 

Fremdheit und Zugehörigkeit –

menschenrechtliche Aspekte
unseres Zusammenlebens

 

Angst und Fremdheit gehören zusammen, Angst vor den Anderen, Angst in der Welt, Angst auch vor mir selber. Sie entsteht vor allem, das anders ist und das ich mir nicht zu eigen machen kann, und eben auch, wo ich mir selbst fremd bin. Nicht nur Rückzug ins Schneckenhaus kann die Folge sein, sondern auch aggressive Abwehr alles Fremden, wie wir sie heutzutage als eine die Gesellschaft erschütternde Reaktion erleben.

Aber nicht nur Angst und Fremdheit, auch Fremdheit und Neugier gehören zusammen. Wir bemerken, dass das Fremde uns aus dem Schneckenhaus herauslocken kann, und die glücklicheren Temperamente stürmen begeistert in die Welt hinaus. Wo Interesse entsteht, verbinden wir uns mit den Andern und mit der Welt! Auch Interesse an mir selber?
 

Was das mit Menschenrechten zu tun hat? Das erkläre ich dann...

Dr. Reinald Eichholz

 


Prof. Dr. Dr. Wolf-Ulrich Klünker

Prof. für Philosophie, Alanus Hochschule/Alfter

 

Angst – jeder müsste eigentlich zunächst in sich selbst hineinhören, hineinspüren und dann nicht „über“ die Angst, sondern aus der eigenen Erfahrung heraus weiterlesen. Angst ist ein seelisches Phänomen, das immer mehr in das alltägliche Bewusstsein rückt. Die Zeiten gehen zu Ende, in denen die Angst als eine Ausnahmesituation oder als seelische Resonanz auf äußere Bedrohung gelten konnte. Die alte Faustregel „Mutig ist nicht, wer nie Angst hat, sondern wer die Angst überwindet“ kann zunehmend zur allgemeinen Lebensmaxime werden. Fast jeder versteht unmittelbar die berühmte indianische Erfahrung, dass die Angst die Seele „aufisst“. Wo man mit der Angst tief in sich auf sich selbst auftrifft, begegnet man gar nicht mehr sich selbst, sondern einem Verlust, einer Leere, die gerade dadurch erschreckend wirkt, dass sie zeigt: in dieser Angst habe ich mich selbst verloren – und gerade diese Erfahrung vertieft das Angstgefühl noch zusätzlich.

Wolf Ulrich Klünker

 


Henning Köhler
Heilpädagoge, Dozent und Autor

 

Die Entwicklung des Kindes als „Einweihungsweg“

durch vier unvermeidliche Stadien der Angst

 

„In der Geistlosigkeit gibt es keine Angst“ schrieb Søren Kierkegaard über das spezifisch menschliche Gesicht der Angst. In den Erdenverhältnissen ein Ich-Bewusstsein zu entwickeln, bedeutet, Stufe um Stufe in die Freiheit zu treten, und der Weg zur Freiheit führt unweigerlich durch Angstprüfungen. Wir sind „Unbehauste“, sagte schon Goethe. Das Gefühl der Unbehaustheit, Ungeborgenheit – die „Un-Heimlichkeit des In-der-Welt-Seins“ (Martin Heidegger) –, grassiert nicht nur unter Erwachsenen, sondern stellt sich auch bei immer mehr Kindern immer früher ein (obwohl die meisten von ihnen in relativ sicheren Verhältnissen leben, jedenfalls äußerlich betrachtet). Dafür gibt es einige transparente Gründe, aber manches, was sich im Raum der Kindheit an Veränderungen vollzieht, ist nicht so leicht erklärbar. – Tatsächlich sind wir, wie Jean Paul Sartre sagte, „zur Freiheit verurteilt“  (das gilt heute mehr denn je) und eben aus diesem Grund aufgerufen, uns mit dem Rätsel der Angst zu beschäftigen. Dazu sollen einige entwicklungspsychologische Gesichtspunkte referiert werden, nebst Hinweisen auf eine „Pädagogik der vertrauensbildenden Entwicklungsbegleitung“ in veränderter Zeitlage. 


Dr. med. Eckhard Schiffer

Chefarzt i. R. der Abteilung für Psychosomatische Medizin mit Familientherapeutischem Zentrum an einem Schwerpunktkrankenhaus

 

Reise zur Gelassenheit

Einen inneren Ort der Geborgenheit und Freiheit finden

 

Am Anfang der (Vortrags-)reise, zu die der Arzt und Autor seine Zuhörer einlädt, steht der Bericht eines Klinkclowns. Dieser betreut schwerkranke Kinder, deren Schicksal oftmals auch die Eltern in Angst und Verzweiflung erfrieren lässt. Die Kunst des Clowns besteht in dieser Grenzsituation darin, – dennoch – leise Lächeldialoge zu ermöglichen. Diese vermitteln eine  entscheidende Botschaft gegen Angst in jedem Lebensalter: „Du bist nicht alleingelassen!“

Wenn wir uns nur oft genug in unserem Leben unter der Erkennungsmelodie der Lächeldialoge begegnen, werden diese Erfahrungen als ein soziales „Gedächtnis der Liebe und Geborgenheit“ verinnerlicht. Es entsteht daraus  ein  „innerer sicherer Ort“ gegen Angst.  Zu diesem Ort gehört aber auch die erfahrene und verinnerlichte Freiheit z.B. im  aus – gelassenen Spiel als salutogenes Moment gegen einengende Normen, zwanghafte Leistungsanforderungen sowie Lebens- und Wohnbedingungen. Das Wort Angst ist urverwandt mit dem lat. angustus, zu deutsch: eng.

Anhand von Beispielen unter Einbeziehung neuester  Ergebnisse der Säuglingsforschung und Neurobiologie sollen die o.g. Thesen verdeutlicht werden.


Martin Straube

Arzt und Vortragsredner

 

Angst als Traumafolge

 

Ein Trauma ist immer ein Rütteln an der gesamten Konstitution, an Leib, Seele und Geist. Alle Traumafolgen haben eine Quelle: die Angst. Ein Trauma kann Biographien zerstören. Oft sehen wir aber auch im „posttraumatic grows“ das Aufblühen ungeahnter Fähigkeiten. Es scheint am Umgang mit der Angst zu liegen, denn nur, was wir vor Augen haben, kann uns nicht im Nacken sitzen. Im Vortrag wird auch auf die Situation der Flüchtlinge eingegangen.


Johannes Stüttgen

Künstler, Autor und Gesellschafter des Omnibusses für direkte Demokratie

 

Der Wille, Mensch zu werden

 

Wir befinden uns jetzt in der Epoche, in der sich tatsächlich die altgewohnten Sicherheiten als Einbildungen herausstellen. Eine der größten Einbildungen ist der Kapitalismus als wirtschaftliche Sicherheit. Da er immer auf Kosten der anderen, Mensch oder Natur, funktioniert, ist er eine Hauptquelle der Angst: die Gegenmächte schlagen zurück! Stunde der Wahrheit. Die Wahrheit lautet: sie will von uns selbst hervorgebracht werden. Sie ist der Wille zum Denken. Der Mut zu mir selbst. 

 

Zusatz: Zur Außensicht muß jetzt die Innensicht (= Einsicht) hinzuentwickelt werden. Wer nicht weiß, wie das geht, sollte ein Kind beim Sich-Aufrichten und Laufenlernen beobachten (z.B. habe ich mich dabei an meinen Ohren festgehalten). 


Dr. med. Hartwig Volbehr

Psychiater und Arzt für Psychotherapie

 

Angst vor oder Angst um

Vom inneren Umgang mit Angst 

 

Angst geht um in der Welt und ganz besonders in den reichsten und sichersten Ländern. Angst gehört zum Menschsein. Aber wie ist es zu verstehen, dass sie so mächtig geworden ist,  Wahlen mit ihr gewonnen und viel Geld mit ihr verdient wird? Angst beruht heute allerdings weniger auf realer Bedrohung, sondern entstammt vielmehr dem Vorstellungsleben und wird durch Vermischung mit anderen Ängsten diffus. Hinzu kommt, dass sich viele Menschen im Ringen um eine aus eigener Kraft erworbene Identität schnell in ihrem narzisstischen Selbstbild bedroht fühlen, heute wohl eine der gängigsten Angst.

Da diese Ängste nicht konkret fassbar sind, erzeugen sie das Gefühl der Ohnmacht und werden zum Nährboden für irrationale Aggression und Gewalt. Zudem lässt das  moderne, von Naturkausalität geprägte Weltbild keinen Raum mehr für Glaube und Hoffnung und entzieht jeglichem Urvertrauen, als der wirksamsten Gegenkraft gegen Angst, die Grundlage.

Welche Auswirkungen hat dies für die Ich-Entwicklung und die Freiheit und was können wir in dieser Situation tun? Schon das Verstehen, auf welchen Mechanismen Angst beruht und was sie in uns und in der Welt bewirkt, hilft, sie zu neutralisieren. Indem sich der Mensch der Angst stellt, wird er ihr ein Gegenüber und kann sie so bewältigen. Der richtige Umgang mit Angst wird zu einer Chance für das Ich und für geistiges Wachstum.